Auf einen Blick

AUFGABE: Freifinanzierter Wohnungsbau für ein urbanes Wohn- und Geschäftshaus mit 27 Wohn- und 2 Geschäftseinheiten
STANDORT: Berlin-Prenzlauer Berg
PROJEKTENTWICKLER: Michael A. Peter Architekten, Berlin
AUFTRAGGEBER: Conrad Bauprojekte GmbH, Conrad und Droste zu Senden
ARCHITEKT: Wahl und Bauer Architekten, Berlin
GENERALUNTERNEHMER: Oevermann GmbH, Münster
FERTIGSTELLUNG: 2001
GRUNDSTÜCKSFLÄCHE: 978 QM
NUTZUNGSFLÄCHE: 2590 QM

Vertraut bis in die letzte Pore …

Die Idee für die fortschrittliche Projektentwicklung des Cantianhauses stammt vom Architekten Michael Peter, der sich mit diesem Projekt an seinen ersten Neubau als Unternehmer heran wagte und das gesamte Vorhaben auch finanziell verantwortete. In die eigens gegründete Bauträgergesellschaft wurde der Architekt Philipp Droste zu Senden als Geschäftsführer bestellt, der sich im wesentlichen um Vertrieb und Kundenbetreuung kümmerte. Das ist insofern ungewöhnlich, weil es sich eher um typische Tätigkeitsfelder von Kaufleuten handelt. Andererseits zeigte sich, dass es von unschätzbarem Vorteil sein kann, wenn man als branchenfremder Architekt unbefangen an die Sache herangeht. Hinzu kommt, dass der Architekt als Entwickler des Projektes „bis in die letzte Pore“ mit seinem Haus vertraut ist und es mit der Gelassenheit der eigenen Überzeugung auch gegenüber kritischen Kaufinteressenten vermitteln kann.

Fassade

Wenn warmes Sonnen- oder dämmrig graues Winterlicht die feingliedrig strukturierte Fassade des Cantianhauses umspielt, verändert sich das Erscheinungsbild dramatisch, mal kühl-elegant, dann wieder von angenehm weicher und warmer Stofflichkeit.

Brauchen Gebäude eine „Sprachlichkeit“?

Auch in Sachen Projektdaten ist der Architekt Ansprechpartner erster Wahl. Der Kunde findet sich auf Aughöhe mit dem „sachkundigen Übersetzer“ des Angebots wieder. Seine Vertrautheit und Selbstgewissheit im Umgang mit dem Verkaufsgegenstand übertragen sich im Verkaufsgespräch nonverbal und intuitiv. Dabei bleibt der Austausch von vernünftigen Argumenten wichtig, alle Fragen wollen überzeugend beantwortet sein. Doch damit sich Interessenten letztlich auch emotional mit dem Haus in allen Teilen verbinden können, braucht dieses eine eigene „Sprachlichkeit“, die aus der Sinnlichkeit des Materials und der Farben, aus der Proportionalität seiner Glieder und Räume, in Verbindung mit Licht, Klang und Geruch unaufdringlich hervortritt. In einer solchen Umgebung kann man sich wohl fühlen, wie mit guten Freunden.

Wenn Architekten unternehmerisch denken …

Mit dem Cantianhaus scheint das ein Stück weit gelungen zu sein. Nicht nur der Großteil der Erwerber, sondern auch Teile der Öffentlichkeit sowie die Fachpresse haben den Wohnungsneubau seinerzeit sehr positiv aufgenommen. Sogar der damalige Senatsbaudirektor Stimmann begrüßte im Rahmen einer öffentlichen Präsentation ausdrücklich das Engagement von Architekten, die unternehmerisch denken und in Eigeninitiative selbstfinanzierten Wohnungsbau realisieren. In den meisten Fällen bereicherten sie den Immobilienmarkt mit attraktiveren (und preisgünstigeren) Angeboten mit insgesamt höherer architektonischer Qualität, bedarfsgerechteren Zuschnitten und zusätzlichen Angeboten wie Gemeinschaftsbereichen. Ohne über Immobilienpreise spekulieren zu wollen: Das Cantianhaus wird auch den wenigen zweifelnden Erwerbern zumindest in dieser Hinsicht doch noch Zufriedenheit gebracht haben.