Auf einen Blick

AUFGABE: Rückbau eines eingeschossigen Wohnhaus von 1935 und Neubau eines energieeffizienten Einfamilienhauses
STANDORT: Berlin-Zehlendorf
BAUHERR: privat
ARCHITEKT/BAULEITUNG: Architekturbüro Droste zu Senden, Berlin
TRAGWERKPLANUNG: ifb Frohloff, Staffa, Kühl, Ecker, Berlin
FERTIGSTELLUNG: 2005
GRUNDSTÜCKSFLÄCHEN: 557 QM
BRUTTOGESCHOSSFLÄCHE: 206 QM

Bestand ohne Zukunft?

Dieses Haus verdankt seiner Existenz einem herben Rückschlag. Von Neubau war nicht die Rede, als man sich über die ersten Zeichnungen beugte, nach denen das aus den 1930er Jahren stammende Elternhaus um ein weiteres Geschoss erweitert werden sollte. Wie man es auch drehte und wendete, der große Wurf stellte sich nicht ein. Zuviele Kompromisse hätten gemacht werden müssen, um möglichst viel von der vermeintlich brauchbaren Substanz des eingeschossigen Hauses zu erhalten.

Mehrwert hinsichtlich Komfort, Zuschnitt, Ökonomie und Nachhaltigkeit

Der Überbringer der schlechten Nachricht war schließlich der Statiker: Ein weiteres Geschoss Huckepack gehe nur dann – falls überhaupt möglich – wenn es federleicht wird und zusätzlich ‚auf Stelzen‘ gestellt wird, sprich, sehr aufwendige und kostspielige Unterfangungen bis in die Fundamente. Da helfe auch kein Siemens Lufthaken. Erst die gesamtwirtschaftliche Betrachtung Alt gegen Neu gab wieder Anlaß zur Hoffnung, daß man nicht vor dem Aus stand. Vielmehr lag darin die Verheißung begründet, sich nun die lange gehegten Wünsche viel umfänglicher erfüllen zu können. Rasch entstanden neue Pläne.

Aus einer Ente wird kein Porsche

Tatsächlich zeichneten sich zahlreiche Optionen ab, die zuvor keine Aussicht auf Realisierung gehabt hätten. Die anfängliche Verzweiflung, wich zusehends der Zuversicht, nicht nur halbwegs im Kostenrahmen zu bleiben, sondern auch einen Mehrwert hinsichtlich Komfort, Zuschnitt, Ökonomie und Nachhaltigkeit zu generieren. Durch die Einsicht zur Erkenntnis gekommen, das man aus einer Ente keinen Porsche machen kann, verabschiedete man sich guten Gewissens von der Vorstellung, das alte Haus mit unwägbarem Aufwand ertüchtigen zu wollen.

Der Weg für den Neubau war frei.

Von da an brauchte es kaum ein Jahr, in dessen Verlauf Bauherr und Bauherrin reichlich Gelegenheit fanden, sich die unumgänglichen Entscheidungen eines Planungs- und Entstehungsprozesses zu eigen zu machen. Im Vertrauen auf unser kundiges Geleit auf dem hart gepflasterten Weg des Bauens haben sich Beide mit einer neuen, den Bedürfnissen nach geformten Lebensumgebung belohnt. Diese hatten sie sich anfänglich zwar anders gewünscht, aber manchmal tut es eben doch gut, in der Möglichkeitsform zu leben.

Etwas von dem harten Pflaster findet sich immer noch im Bereich der Vorfahrt, aber da gehört es auch hin, jetzt auch als Reminiszens. Und für alle Fälle hängt bei uns im Büro auch noch der Hausschlüssel – der alte wie der neue. Das nennen wir ein geglücktes Bauherren-Architekten-Verhältnis.